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Allgemeine SS
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Allgemeine SS (ASS), auch Allgemeine-SS (A-SS), war seit dem 14. Dezember 1934 offizielle Bezeichnung jenes Teils der Schutzstaffel der NSDAP (SS), der seinen Dienst weiterhin freiwillig, unentgeltlich und unbewaffnet tat.
Das heiĂt, ihre Angehörigen gingen, bis auf die hauptamtlichen SS-FĂŒhrer, die VollzeitbeschĂ€ftigte der SS waren und von dieser entlohnt wurden, bĂŒrgerlichen Berufen nach.
1939 erreichte die Allgemeine SS mit mehr als 260.000 Angehörigen den Höhepunkt ihres Vorkriegsbestands. WĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges (1939â1945) dienten rund sechzig Prozent ihrer Angehörigen (etwa 160.000) in der Wehrmacht (Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine) und rund 36.000 in den Reihen der Waffen-SS.
Contents
âą Etymologie
âą Synonyme
âą Uniformierung
âą Allgemeines
âą Altersklassen
âą Disziplinarwesen
âą Kriegsende
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Etymologie
Die Bezeichnung Allgemeine SS kam verstĂ€rkt im SpĂ€tsommer und im Herbst 1934 auf. Offiziell eingefĂŒhrt wurde sie durch einen von Heinrich Himmler verfassten Geheimbefehl vom 14. Dezember 1934, mit der alle unbewaffneten Teile der SS bezeichnet wurden, die weder zur VerfĂŒgungstruppe noch zu den TotenkopfverbĂ€nden sowie zum Sicherheitsdienst des ReichsfĂŒhrers SS (SD) gehörten.cite-ref-hein91-1-0[1]cite-ref-2[2]
Synonyme
Die Allgemeine SS wurde umgangssprachlich auch als Politische SS,cite-ref-3[3] Schwarze SScite-ref-fiala-4-0[4] sowie als Heimat-SScite-ref-fiala-4-1[4]cite-ref-5[5] bezeichnet. VerklĂ€rend wurde auch von Himmlers schwarzem Ordencite-ref-6[6] gesprochen, was sich auf die âOrdensregeln der SSâ und deren schwarzen Uniformen ableiten lieĂ.
âPolitische SSâ wurde sie informell genannt, da sie eine politische Gliederung der NSDAP war. Den Namen âHeimat-SSâ trug sie, weil jene Angehörigen, die nicht im Kriegsgeschehen eingebunden waren, im heimatlichen Standortdienst usw. eingesetzt waren. Der Begriff âSchwarze SSâ leitet sich wie der Begriff âschwarzer Ordenâ von den ĂŒblicherweise im Standort- und AuĂendienst getragenen schwarzen Uniformen ab.
Bei den kasernierten SS-VerbĂ€nden (VerfĂŒgungstruppe, TotenkopfverbĂ€nde) dagegen wurde die schwarze Uniform fĂŒr den tĂ€glichen Gebrauch rasch ersetzt, da sie dafĂŒr als ungeeignet angesehen wurde. Die VerfĂŒgungstruppe begann, nach dem militĂ€rischen Vorbild der Wehrmacht, erdgraue Uniformen einzufĂŒhren, die noch wie die schwarzen Uniformen geschnitten waren. Die TotenkopfverbĂ€nde fĂŒhrten dagegen fĂŒr den Lagerdienst erdbraune Uniformen ein, was sie als SS-Sonderverband erscheinen lieĂ. Die schwarzen Uniformen wurden von den kasernierten VerbĂ€nden nur noch bei Paraden und im Standortdienst verwendet.
Die Allgemeine SS war also strikt von der bewaffneten SS und vom SD zu unterscheiden.cite-ref-hein91-1-1[1]
UnterstellungsverhÀltnis
1934â1936 war die Allgemeine SS der ReichsfĂŒhrung SS in MĂŒnchen zentral unterstellt, wo sie dem SS-Amt bzw. dem SS-Hauptamt zugeordnet war. Infolge der Machtausweitung von Himmlers Kompetenzen durch die Ăbernahme der Polizei in den deutschen LĂ€ndern nahm er in einem Befehlsentwurf zum 9. November 1936 eine Reorganisation der drei Schutzstaffelteile vor: Die in den SS-Oberabschnitten bis zur StandartengröĂe organisierten regionalen Einheiten von Allgemeiner SS, SS-VerfĂŒgungstruppe und der SS-TotenkopfverbĂ€nde wurden nun in den Dienststellen der SS-OberabschnittsfĂŒhrer zusammengefasst,cite-ref-7[7] da er dort die SS als regionaler Stellvertreter des ReichsfĂŒhrers SS Himmler agierte.
Ab dem 15. August 1940 war die Allgemeine SS zum einen dem im SS-FĂŒhrungshauptamt angesiedelten Kommandoamt der Allgemeinen-SS, zum anderen der Hauptabteilung A I 1d im SS-Hauptamt zugeordnet.
GröĂenentwicklung
Als Heinrich Himmler am 6. Januar 1929 die SS ĂŒbernahm, umfasste diese 280 aktive SS-MĂ€nner. Bis Jahresende 1929 wurde sie auf 1000 Mann aufgestockt. Ab 1931 wurden die Zehnerstaffeln offiziell fallen gelassen und so wuchs die SS bis September 1932 auf rund 49.000 aktive Angehörige an. Nach Adolf Hitlers Ernennung zum Reichskanzler, hatte die SS Ende des Jahres 1933 bereits 209.000 Angehörige. Bei Kriegsausbruch verzeichnete die Allgemeine SS rund 236.000 Angehörige. Ihren Höchstbestand wies die Allgemeine SS Ende 1941 mit ĂŒber 271.000 Mitgliedern auf. Im Juni 1944 zĂ€hlte sie noch 264.000 Angehörige.cite-ref-8[8]
VerhÀltnis zu anderen SS-VerbÀnden
Die Allgemeine SS galt damals wie heute als Mutterorganisation aller der Schutzstaffel unterstellten und/oder abgeleiteten SS-Organisationen. Sie fĂŒhrte die Tradition der 1925 begrĂŒndeten SS weiter, geriet jedoch mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges immer mehr in die politische Bedeutungslosigkeit. Am 20. April 1940 wurden etwa 10.000 ihrer hauptamtlichen SS-FĂŒhrer, die einem der bestehenden SS-HauptĂ€mter zugeordnet waren, der Waffen-SS ĂŒberstellt.
Das Organisationsbuch der NSDAP aus dem Jahr 1943, das im Ăbrigen das letzte seiner Art war, beschreibt die Allgemeine SS wie folgt:
âAllgemeine SS Das Gebiet des GroĂdeutschen Reiches ist in zur Zeit 18 Oberabschnitte unterteilt, wozu noch je ein SS-Oberabschnitt im Gebiet der Niederlande und in Norwegen und zwei im bisherigen russischen Westgebiet kommen, sowie den selbstĂ€ndigen und unmittelbar unterstellten SS-Abschnitt im Protektorat Böhmen-MĂ€hren. Die rĂ€umliche Begrenzung der SS-Oberabschnitte erfolgt nach bestimmten vom ReichsfĂŒhrer SS gegebenen Richtlinien. Dem FĂŒhrer des SS-Oberabschnitts stehen innerhalb seines Stabes fĂŒr seine in den Rahmen der SS fallenden Arbeiten zur VerfĂŒgung: Der StabsfĂŒhrer der Allgemeinen SS fĂŒr die Aufgaben der Allgemeinen SS. Der SD.-FĂŒhrer des SS-Oberabschnittes fĂŒr die Aufgaben des Reichssicherheitsdienstes. Der FĂŒhrer im Rasse- und Siedlungswesen im SS-Oberabschnitt fĂŒr die Aufgaben des Rasse- und Siedlungswesens. In der Untergliederung der SS-Oberabschnitte unterstehen diesen je nach GröĂe ihres Gebietes 2 bis 4 SS-Abschnitte (zur Zeit 44 ohne Böhmen-MĂ€hren). Unmittelbar dem SS-Oberabschnitt unterstellt sind die SS-Reiterstandarten (z. Z. 21) sowie die SS-Nachrichten-Sturmbanne (z. Z. 16) und die SS-Pionier-Sturmbanne (z. Z. 10). Unter einem zum Stab des SS-Oberabschnittes gehörigen Inspekteur der Stammabteilung ist in jedem SS-Oberabschnitt eine Stammabteilung gebildet, in der die alten, nicht mehr voll dienstfĂ€higen SS-Angehörigen zusammen gefasst sind. Diese Stammabteilungen sind in Stammabteilungsbezirke eingeteilt, die jeweils das Gebiet einer der unterstellten SS-Standarten umfassen und die in diesem Bezirk ansĂ€ssigen, zur Stammabteilung gehörigen MĂ€nner betreuen. Die FĂŒhrer dieser Stammabteilungen sind den zustĂ€ndigen Standarten zugeteilt. Innerhalb der Gebiete der SS-Abschnitte stehen unter FĂŒhrung von SS-StandartenfĂŒhrern je 2 bis 4 FuĂ-Standarten (z. Z. 125, davon 2 im Protektorat Böhmen-MĂ€hren), die in je 3 Sturmbanne zu je 4 SS-StĂŒrmen gegliedert sind. In den SS-StĂŒrmen ist eine Unterteilung in ZĂŒge vorgenommen, die wiederum aus mehreren Scharen bestehen. Den SS-Standarten zugeteilt ist ein Musikzug, wĂ€hrend bei jedem SS-Sturmbann ein Spielmannszug und eine SanitĂ€tstaffel stehen. Dem SS-Abschnitt unmittelbar unterstellt sind ferner die in dessen Bereich stehenden SS-KraftfahrstĂŒrme (z. Z. 40) und SS-SanitĂ€tsstĂŒrme (z. Z. 39) [âŠ]â
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Organisationsbuch der NSDAP, 7. Auflage 1943, Kapitel âDie Schutzstaffeln der NSDAPâ, S. 427â427a.
Eintritt, Austritt, Entlassung, Ausschluss und AusstoĂ
âMitgliederauslese: [âŠ] Die Erkenntnis vom Werte des Blutes und Bodens ist richtungsweisend fĂŒr die Auslese in der Schutzstaffel. Jeder Staffelmann muss vom Sinn und Wesen der nationalsozialistischen Bewegung tief durchdrungen sein. Er wird weltanschaulich und körperlich vorbildlich ausgebildet, damit er einzeln und im Verband im entschlossenen Kampf um die nationalsozialistische Weltanschauung erfolgreich eingesetzt werden kann. Nur die blutsmĂ€Ăig besten Deutschen sind fĂŒr diesen Kampfeinsatz tauglich. Deswegen ist es notwendig, daĂ in den Reihen der Schutzstaffel unaufhörlich Auslese gehalten wird, erst grob, dann immer feiner. Diese beschrĂ€nkt sich aber nicht nur auf die MĂ€nner, denn ihr Zweck ist die Erhaltung der Sippe. [âŠ] Treue, Ehre, Gehorsam und Tapferkeit bestimmen das Handeln des Staffelmannes. Seine Waffe trĂ€gt die vom FĂŒhrer verliehene Inschrift:âMeine Ehre heiĂt Treue!â Beide Tugenden sind unauslöslich miteinander verbunden. Wer hiergegen verstöĂt, ist unwĂŒrdig geworden, der Schutzstaffel anzugehören.â
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Organisationsbuch der NSDAP, 3. Auflage 1937, Kapitel âDie Schutzstaffeln der NSDAPâ, S. 417.
Seit dem 15. Oktober 1934, als Folge des sogenannten Röhmputsches und der Ausgliederung der Schutzstaffel aus der âGesamt-SAâ mussten Kandidaten eine Reihe von Bedingungen erfĂŒllen, um als SS-Bewerber (SS-wĂŒrdig, ĂŒber die Aufnahme in die SS noch nicht entschieden) aufgenommen zu werden.
Vor 1933 reichte es schon aus, wenn ein Kandidat seinen Aufnahme- und Verpflichtungsschein (AV-Schein) ausgefĂŒllt beim zustĂ€ndigen SS-Sturm abgab, sich eine schwarze Uniform kaufte und am âSS-Dienstâ teilnahm.cite-ref-9[9]
Nach Abgabe des AV-Scheines, der Abgabetag galt als Eintrittstag in die SS, wurde der Kandidat fĂŒr die ârassische Musterungâ vorgemerkt (Mannschafts-Untersuchungs-Liste, kurz Mula). Vor einer aus SS-Ărzten bestehenden Musterungskommission wurde er nach körperlichen und rassischen Kriterien untersucht und dementsprechend eingestuft. Zudem hatte er einen Lebenslauf, ein polizeiliches FĂŒhrungszeugnis und einen Ahnennachweis bis zu den GroĂeltern einzureichen. Hatte er die HĂŒrde der AufnahmeĂŒberprĂŒfung erfolgreich bestanden, wurde er zum 9. November mit der Vereidigung auf Adolf Hitler (FĂŒhrereid) als Bewerber in die Allgemeine SS ĂŒbernommen, wo er eine Anwartschaft von 1 œ Jahren zu bestehen hatte.cite-ref-10[10] Die ersten sechs Monate galten hierbei als Probe- und BewĂ€hrungszeit, in der der Bewerber (oder AnwĂ€rter) jederzeit selbst wieder aus der SS austreten oder vom zustĂ€ndigen SturmfĂŒhrer entlassen werden konnte, wenn es sich herausstellte, dass der Bewerber/AnwĂ€rter letztendlich fĂŒr den SS-Dienst ungeeignet war. AusschlĂŒsse und AusstöĂe konnte zudem Heinrich Himmler als ReichsfĂŒhrer SS jederzeit aussprechen, wenn ein Bewerber/AnwĂ€rter vorsĂ€tzlich oder grob fahrlĂ€ssig gegen die âOrdensgesetze der SSâ handelte. Der Bewerber hatte bis zum 1. Oktober das SA-Sportabzeichen in Bronze und das Reichssportabzeichen zu erwerben.
Nach drei Monaten, zum 30. Januar hin, wurde dem Bewerber ein vorlÀufiger SS-Ausweis unter Zuteilung einer SS-Nummer ausgehÀndigt, welcher ihn zum AnwÀrter machte.
Am 1. Oktober rĂŒckte der AnwĂ€rter zum Reichsarbeitsdienst ein, der die zweijĂ€hrige Wehrpflicht folgte. In dieser Zeit wurde er in den Mitgliederlisten der Allgemeinen SS als SS-Zugehöriger gefĂŒhrt. Nach der Ableistung des Reichsarbeitsdienstes und der Wehrpflicht kehrte der AnwĂ€rter, sofern er sich nicht fĂŒr eine Laufbahn als Berufssoldat in der Wehrmacht oder der Waffen-SS entschied, zur Allgemeinen SS zurĂŒck. Nach einer entsprechenden Beurteilung durch die Wehrmacht oder der Waffen-SS und durch Ablegung des Sippeneides wurde er nach Ablauf 18 Monaten zum SS-Mann ernannt, indem ihm am 9. November auf dem Reichsparteitag die SS-Seitenwaffe (âSS-Dolchâ) verliehen wurde. Entschied sich der AnwĂ€rter fĂŒr den Berufssoldatenstand, wurde er âehrenvollâ aus der SS entlassen.
Interne Gliederung und FĂŒhrerkorps
1937 bestandcite-ref-11[11] das FĂŒhrerkorps der Allgemeinen SS aus:
1. Aktiven SS-FĂŒhrern, die in den Oberabschnitten, Abschnitten, Standarten und Sturmbannen leitende Funktionen hatten.
2. Zugeteilten SS-FĂŒhrern bei StĂ€ben des ReichsfĂŒhrers-SS, den drei HauptĂ€mtern, den Oberabschnitten und den Abschnitten. Ihnen waren bis zur Einstellung der SS-Ehren- und RangfĂŒhrerschaften zur besonderen Verwendung die Ehren- und RangfĂŒhrer zugeordnet.
3. SS-FĂŒhrer in der Stammabteilung und
4. SS-FĂŒhrer zur besonderen Verwendung.
Im Herbst 1934 standen 120 SS-FĂŒhrer zur VerfĂŒgung, hatten keine Verwendung, kaum mehr Karrierechancen. Nur wenige gelang die RĂŒckkehr in den aktiven Dienst, so zum Beispiel dem ersten SturmbannfĂŒhrer der SS, vom Dezember 1927, Johann Beck.
1938/1939 sind fĂŒr die gesamte SS 13818 FĂŒhrer verzeichnet, 39 standen davon zur VerfĂŒgung. 20 SS-FĂŒhrer sind von sich aus ausgeschieden wegen Ăbertritt zur Wehrmacht, weitere 56 auf eigenen Antrag. Himmler entlieĂ damals 56 SS-FĂŒhrer, 54 wurden entlassen, 52 ausgeschlossen, darunter die SS-OberfĂŒhrer Heinrich Höflich und Hermann Behme, und 24 ausgestoĂen, u. a. der KZ-Mann Josef Elkemann-Reusch, SS-Nr. 444.cite-ref-12[12]
SS-Ehren- und RangfĂŒhrer zur besonderen Verwendung
AuĂer den oben aufgefĂŒhrten SS-FĂŒhrern, die in den StĂ€ben und Einheiten aktiven Dienst leisteten, gab es auch SS-MĂ€nner, denen auf besondere Veranlassung vom ReichsfĂŒhrer-SS Himmler ein SS-FĂŒhrerdienstgrad zuerkannt wurde und die einem Stab zugeordnet wurden, ohne aktiven Dienst zu leisten.cite-ref-organisationsbuch435-13-0[13] Diesen Personenkreis nannte man âSS-Ehren- und RangfĂŒhrer zur besonderen Verwendungâ.
Beförderungen, Ernennungen (Stellenbesetzungen)
Die Beförderungen in der Allgemeinen SS wurden 1937 (und darĂŒber hinaus) wie in der SA, dem NSKK oder dem NSFK, aber auch analog zur Praxis in der SS-VerfĂŒgungstruppe oder den SS-TotenkopfverbĂ€nden gehandhabt:cite-ref-organisationsbuch430-14-0[14]
1. Die Beförderung zum SS-Gruppen- und SS-ObergruppenfĂŒhrer nahm Adolf Hitler als âOberster FĂŒhrer der Schutzstaffelâ nach Vorschlag des ReichsfĂŒhrers SS Himmler vor.
2. Die Beförderungen vom SS-UntersturmfĂŒhrer bis zum SS-BrigadefĂŒhrer erfolgten durch den ReichsfĂŒhrer SS nach Bearbeitung durch die Personalkanzlei.
3. Die Chefs der drei HauptĂ€mter nahmen Beförderungen in Vertretung des RFSS bis zum SS-HauptsturmfĂŒhrer vor.
4. Der jeweilige OberabschnittsfĂŒhrer nahm dagegen Beförderungen zum SS-HauptscharfĂŒhrer vor.
5. Beförderungen zum SS-OberscharfĂŒhrer erfolgten durch die betreffenden AbschnittsfĂŒhrer.
6. Die Beförderungen zum SS-UnterscharfĂŒhrer und zum SS-ScharfĂŒhrer nahm der entsprechende StandartenfĂŒhrer vor.
7. Die Ernennung zum SS-Sturmmann und SS-RottenfĂŒhrer erfolgte durch den zustĂ€ndigen FĂŒhrer der Standarte.
8. Zum SS-Mann wurde ein AnwÀrter nach Ableistung seiner Arbeits- und Wehrpflicht jeweils am 9. November eines jeden Jahres unter Verleihung des SS-Dolches.
Die Beförderung erfolgte in der Allgemeinen SS allgemein durch Vorschlag durch den nĂ€chsten Vorgesetzten des zur Beförderung Vorgesehenen. So wurde ein FĂŒhrer eines Sturms durch den FĂŒhrer des Sturmbanns, dieser durch den FĂŒhrer der Standarte, dieser wiederum durch den FĂŒhrer des Abschnitts usw. vorgeschlagen. Der Beförderungsvorschlag wurde unter Beilage aller erforderlichen Unterlagen dem SS-Hauptamt/Personalamt zugeleitet. Dort wurden im SS-Personalamt bzw. in der Personalkanzlei RFSS die eingereichten Vorschlagslisten nach den SS-Richtlinien bearbeitet und dann zu bestimmten Terminen dem ReichsfĂŒhrer-SS oder den Chefs der HauptĂ€mter zur Entscheidung und Genehmigung vorgelegt.cite-ref-organisationsbuch430-14-1[14] Als Hauptbeförderungstermine galten der 30. Januar (Tag der âMachtergreifungâ), der 20. April (Hitlers Geburtstag), die Veranstaltungstage des Reichsparteitags sowie der 9. November (der missglĂŒckte âHitlerputschâ).cite-ref-organisationsbuch430-14-2[14]
Die Besetzung von FĂŒhrerstellen in den verschiedenen SS-Einheiten erfolgte vom FĂŒhrer eines Sturmbannes aufwĂ€rts durch die persönliche VerfĂŒgung Heinrich Himmlers. Die BestĂ€tigung in der Dienststellung erfolgte durch das SS-Personalamt; VerwaltungsfĂŒhrer und SS-Ărzte wurden nach PrĂŒfung auf fachliche Eignung durch den Verwaltungschef-SS bzw. durch den Reichsarzt-SS ebenfalls nach VerfĂŒgung des RFSS durch das SS-Personalamt bestĂ€tigt.cite-ref-15[15] Nach der Umwandlung des SS-Personalamtes in das SS-Personalhauptamt (1939) oblag diesem die BestĂ€tigung der Stellenbesetzungen.
Uniformierung
Allgemeines
Die Allgemeine SS trug seit ihrer Etablierung als eigenstĂ€ndige SS-Formation die 1932 eingefĂŒhrten schwarzen Uniformen nebst den dazugehörigen Abzeichen und Insignien.
SS-Bewerber trugen mit Ausnahme der Hakenkreuzarmbinde und den SS-Insignien an der MĂŒtze (Hoheitsabzeichen der NSDAP, Totenkopf) keinerlei Abzeichen, das heiĂt, weder SturmbĂ€nder, Kragenspiegel oder KragenschnĂŒre.
SS-AnwÀrter hingegen war es ab 1938 erlaubt, neben Hakenkreuzarmbinde und einer Kragenschur auch Kragenspiegel ohne Paspelierung zu tragen.
Den Angehörigen der Allgemeinen SS war es seit 1935 erlaubt, auch schwarz lackierte Stahlhelme des Modells M16 und RZM30 sowie passendes SturmgepĂ€ck zur schwarzen Uniform zu tragen, wenn sie Teil einer sogenannten âAufmarsch-SSâ waren und an PropagandamĂ€rschen usw. teilnahmen.
Ab MĂ€rz 1938 wurde es den hauptamtlichen SS-FĂŒhrern der Allgemeinen SS gestattet, die aktuellen Uniformen der Waffen-SS zu tragen. Auf diesen wurden bis 1945 beidseitig die schmalen SchulterschnĂŒre der Allgemeinen SS getragen.
Kennzeichen der Unterscheidung von anderen SS-VerbÀnden
Das wesentliche Kennzeichen der Allgemeinen SS zur Unterscheidung von anderen SS-VerbĂ€nden war, dass ihre Einheiten auf den Einheitsspiegeln weder die SS-Runen noch das Totenkopfsymbol trugen. Erstere waren das Symbol fĂŒr die SS-VerfĂŒgungstruppe und der Leibstandarte SS Adolf Hitler, Letzteres das Symbol fĂŒr die SS-TotenkopfverbĂ€nde.
Die Einheitsspiegel der Allgemeinen SS zeichneten sich dadurch aus, dass auf ihnen die Nummer der Standarte angezeigt wurde, der ein SS-Mann angehörte, die in arabischen Ziffern angegeben wurde.cite-ref-mollo31-47-16-0[16]
Mitglieder der GruppenstĂ€be in den Oberabschnitten oder den jeweiligen Abschnitten der SS-Struktur wiesen entweder leere Einheitsspiegel auf, die Oberabschnitt wurde auf dem Ărmelband dargestellt oder fĂŒhrten den Abschnitt in römischen Ziffern auf dem Einheitsspiegel.cite-ref-mollo31-47-16-1[16]
Kennzeichen von Sondergliederungen der Allgemeinen SS
Stabsangehörige der SS-SanitĂ€tsabteilung fĂŒhrten einen Ăskulapstab im Einheitsspiegel, zudem wies ein Schriftzug auf dem Ărmelband (San.-Abt. SĂŒd) auf die Zugehörigkeit der jeweiligen SS-Abteilung hin. SanitĂ€tsfĂŒhrer in den Abschnitten wiesen auf dem Einheitsspiegel neben dem Ăskulapstab auch die römische Ziffer des betreffenden Abschnittes auf.cite-ref-mollo31-47-16-2[16]
Angehörige der Reiter-SS wiesen sich ab 1934 durch 2 ĂŒberkreuzte Lanzen (ursprĂŒngliche Kennzeichnung bis 1934 âRâ) als Mitglieder einer berittenen Abteilung aus. Angehörige der Nachrichten-, Pionier- und Motorstaffeln dagegen durch ein Blitz-Symbol (bis 1934 âNâ), ĂŒberkreuzte Hacken und Spaten (bis 1934 âPâ) oder durch ein lateinisches M vor der Nummer der Standarte.cite-ref-mollo31-47-16-3[16]
Tragen des Parteiabzeichens
SS-Angehörige, die Mitglied in der NSDAP waren, trugen das einfache Parteiabzeichen stets auf dem Binder, etwa eine Daumenbreite vom Knoten entfernt. Jenen, denen das Goldene Parteiabzeichen verliehen wurde, trugen dieses in der groĂen AusfĂŒhrung beim Dienstrock und beim Diensthemd auf der linken Brusttasche oberhalb etwa vorhandener an der Brusttasche getragener Orden und Ehrenzeichen.cite-ref-organisationsbuch435-13-1[13]
Gliederung (seit dem 17. August 1938)
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Hauptartikel
:
Organisationsstruktur der Schutzstaffel
Die Organisationsstruktur der Allgemeinen SS war hierarchisch streng nach dem nationalsozialistischen FĂŒhrer- und Gefolgschaftsprinzip ausgerichtet, an dessen oberster Stelle der âOberste FĂŒhrer der Schutzstaffelâ Adolf Hitler stand. Regional war sie vertikal ausgerichtet.
Bereits am 9. November 1936 hatte ReichsfĂŒhrer SS Heinrich Himmler eine âNeuordnung der BefehlsverhĂ€ltnisse der Gesamt-SSâ durchgefĂŒhrt, in zur Zeit verstĂ€rkter MobilmachungsplĂ€nen seinerseits, zur Folge hatte, dass der regionale und lokale SS-Vertreter (SS-OberabschnittsfĂŒhrer und SS-AbschnittsfĂŒhrer) die Gesamt-SS in seinem GeschĂ€ftsbereich vertrat. So unterstanden vor allem den OberabschnittsfĂŒhrern alle regionalen SS-Standarten, SS-Pionier-, SS-Motor- und SS-Nachrichteneinheiten sowie die ihnen zugeordneten Standarten der Reiter-SS (soweit dort vorhanden). Aber es war von Himmler vorgesehen worden, dass sie auch bei Bedarf ĂŒber Truppenteile der SS-VerfĂŒgungstruppe (KatastrophenfĂ€lle, Veranstaltungen und/oder Parade sowie zur âNiederschlagungâ möglicher kommunistischer Revolten) zurĂŒckgreifen konnten. Theoretisch hatten sie auch Zugriff auf die SS-TotenkopfverbĂ€nde des Theodor Eicke, de facto waren ihnen aber diese KZ-Wachen seit dem 1. April 1936 entzogen worden.
Die Organisationsstruktur der Allgemeinen SS wies von oben nach unten folgende Gliederung auf:
âą Oberster SS-FĂŒhrer (Adolf Hitler)
ReichsfĂŒhrer SS (Heinrich Himmler) SS-Oberabschnitt SS-Abschnitt SS-Standarte SS-Sturmbann SS-Sturm SS-Trupp SS-Schar SS-Rotte SS-Mann
Orientierten sich die SS-Oberabschnitte zwischen 1936/37 und 1938/39 an den politischen Grenzen der jeweiligen LĂ€nder, so wurden aufgrund der Militarisierung weite Teile der Schutzstaffel mit den Wehrkreisen der Wehrmacht konform gebracht.
Altersklassen
Die Allgemeine SS als solches gliederte sich zudem in folgende Subgruppen, die aus diversen Altersklassen gebildet wurden:
âą Aktive SS (18â35 Jahre)
Aktive SSI (18â25 Jahre) Aktive SSII (25â35 Jahre)
âą Reserve-SS (35â45 Jahre)
âą SS-Stammabteilung (45+ Jahre)
Disziplinarwesen
Bis zum Sommer 1934 unterstanden Angehörige der Schutzstaffel der Ehrengerichtsordnung der Sturmabteilung der NSDAP, welche von Ernst Röhm entwickelt wurde. Doch bereits im Juni 1933 hatte Himmler eigenmĂ€chtig ein SS-Gericht gegrĂŒndet, das bis Juli 1935 eine Dienststelle innerhalb des damaligen SS-Amtes darstellte. Von 1935 bis 1939 war das SS-Gericht dem Persönlichen Stab ReichsfĂŒhrer-SS zugeteilt, bis es zum eigenstĂ€ndigen SS-Hauptamt aufgestuft wurde. Denn schon 1933 war Himmler bemĂŒht gewesen, seine SS einer Sondergerichtsbarkeit zu unterstellen.cite-ref-hein192-17-0[17]
Nach der Entmachtung der SA gingen die NS-Juristen davon aus, dass die Sondergerichtsbarkeit der NS-KampfverbĂ€nde nun ad acta gelegt worden seien. Dieses traf zwar fĂŒr die SA zu, aber nicht fĂŒr die nun aus dieser herausgelösten SS: Deren Forderung nach einer solchen stellte im Mai 1935 die OberabschnittsfĂŒhrung SĂŒdost. Denn â[o]berstes Ziel fĂŒr jeden FĂŒhrerâ mĂŒsse âstets sein, dass die Untersuchung, Verfolgung und Bestrafung eines SS-Angehörigen Sache der SSâ sei.cite-ref-hein192-17-1[17]
Im Juni 1939 erfolgte die Einrichtung des Hauptamtes SS-Gericht und bereits am 17. Oktober erfolgte die EinfĂŒhrung der eigenstĂ€ndigen SS- und Polizeigerichtsbarkeit. FĂŒr die Allgemeine SS hatte diese jedoch keinerlei Bedeutung, war die SS- und Polizeigerichtsbarkeit doch auf die hauptamtlichen SS-FĂŒhrer und auf jene SS-MĂ€nner ausgerichtet, die an der Front standen oder in der Polizei dienten. âNormaleâ SS-MĂ€nner unterstanden weiterhin der im Februar 1933 eingefĂŒhrten Dienststraf- und Beschwerdeordnung der Schutzstaffel der NSDAP.cite-ref-hein193-18-0[18]
Diese gab den betroffenen SS-FĂŒhrern diverse Bestrafungen als explizite âErziehungsmittelâ: einfache, verschĂ€rfte oder strenge Verweise, ein zeitlich begrenztes Uniformverbot oder ein zeitlich begrenztes Verbot des Tragens von SS-Insignien. Hinzu kam ein Arrest in milder Form bei voller Verpflegung, der bis zu dreiĂig Tagen dauern konnte oder ein Arrest in verschĂ€rfter Form bei Wasser und Brot, der bis zu vierzehn Tagen dauern konnte, wenn geeignete, SS-eigene âArrestlokaleâ zur VerfĂŒgung standen. DarĂŒber hinaus gab die Dienst- und Beschwerdeordnung den SS-FĂŒhrern das Mittel der Degradierung und der Suspendierung von bis zu sechs Monaten.
Letzte Konsequenz stellte der Ausschluss aus der Schutzstaffel dar, der bei âgroben Vergehenâ ausgesprochen wurde. Bei einem âehrenrĂŒhrigen Vergehenâ erfolgte der AusstoĂ des Betroffenen durch den ReichsfĂŒhrer-SS Heinrich Himmler. So wurde allein 1937 in der Allgemeinen SS 2425 AusschlĂŒsse und 192 AusstöĂe ausgesprochen.cite-ref-hein193-18-1[18]
Einen besonderen Schutz innerhalb der VerfĂŒgungstruppe besaĂen SS-Angehörige, die ĂŒber eine der ersten 15.000 vergebenen SS-Nummern verfĂŒgten. Bei âgeringen Verfehlungenâ sollten diese âĂ€ltesten SS-MĂ€nnerâ nach dem Willen des ReichsfĂŒhrers mit Samthandschuhen angefasst und nicht entlassen werden. Denn der AusstoĂ wĂŒrde ein Ansehensverlust der Gesamt-SS bedeuten.cite-ref-19[19]
Bis zur EinfĂŒhrung dieser Gnadenregel bestand seit dem 12. Juni 1935 eine eiserne Richtlinie, die vom SS-Hauptamt festgelegt wurde. So galt grundsĂ€tzlich: SS-MĂ€nner, die aufgrund Verfehlungen in der SS-VerfĂŒgungstruppe unehrenhaft entlassen wurden, besaĂen keinen Anspruch mehr auf RĂŒckfĂŒhrung und Wiedereinsetzung in die Allgemeine SS. Diese wurden auch dort ausgestoĂen und aus allen Mitgliederlisten gestrichen. Das heiĂt, wer aus der VerfĂŒgungstruppe unehrenhaft entlassen wurde, dem folgte das gleiche in der Allgemeinen SS. Eventuelle Wiedereingliederungen solcher SS-Angehörige in eine SS-Stammabteilung mussten durch einen Untersuchungsausschuss geprĂŒft und genehmigt werden. Letztendliche Entscheidung einer Wiedereinstellung lag jedoch beim SS-Hauptamt.
Hitlers Geheimerlass ĂŒber die gegenseitige Abgrenzung der gemeinsamen Aufgaben zwischen SS, Polizei und Wehrmacht
âVon den drei Schutzstaffeln sind die SS.-VerfĂŒgungstruppe und die SS.-TotenkopfverbĂ€nde mit leichten und schweren Infanteriewaffen, die Allgemeine SS. nur mit Dolch ausgestattet. [âŠ]â
â
Organisationsbuch der NSDAP, 3. Auflage 1937, Kapitel âDie Schutzstaffeln der NSDAPâ, S. 421.
Als der ReichsfĂŒhrer SS Heinrich Himmler am 17. Juni 1936 zum Chef der Deutschen Polizei ernannt wurde, drĂ€ngte dieser ranghohe Polizeiangehörige der Allgemeinen SS beizutreten. Diesen wurde ĂŒber eine Dienstgradangleichung ihrem Polizeidienstgrad ein entsprechender SS-Rang in Aussicht gestellt.
Am 17. August 1938 stellte Reichskanzler Adolf Hitler in einem Geheimerlass die Aufgabenbereiche der SS, der Wehrmacht und der Polizei fest. Zum Rechtsstatus der Allgemeinen SS hieà es, als politische Gliederung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei sei die SS grundsÀtzlich unbewaffnet.
Das bedeutete fĂŒr die Schutzstaffel in ihrer Gesamtheit, dass diese als integraler Teil der NSDAP fĂŒr ihre gestellten Aufgaben auch keinerlei militĂ€rische Ausbildung und Gliederungen bedĂŒrfe. Von dieser Regelung waren die bereits aufgestellten und kasernierten SonderverbĂ€nde, die SS-Junkerschulen und die verstĂ€rkten SS-Totenkopfstandarten ausgenommen.cite-ref-adolfhitler-vt-20-0[20]
âIII. Die Allgemeine SS. Alle ĂŒbrigen, vorstehend unter I und II nicht aufgefĂŒhrten Angehörigen der allgemeinen, also unbewaffneten SS stehen der Wehrmacht im Kriegsfalle nach den Bestimmungen des Wehrgesetzes zur VerfĂŒgung. In Anbetracht jedoch der besonderen innerpolitischen Aufgaben, die die SS in enger Verbindung mit der Deutschen Polizei im Mob.Fall zu lösen hat, bestimme ich : 1.) Der Stab des ReichsfĂŒhrers-SS, die StĂ€be der drei HauptĂ€mter (SS-, SD- und RuS-Hauptamt), die SS-OberabschnittsstĂ€be und SS-AbschnittsstĂ€be bleiben im Kriegsfalle fĂŒr Aufgaben polizeilicher Art bestehen. Ihre StĂ€rke, die auf das notwendigste Mass zu beschrĂ€nken ist, regelt der ReichsfĂŒhrer-SS. Die fĂŒr diese StĂ€be vorgesehenen SS-Angehörigen sind im Kriegsfall fĂŒr den genannten Zweck von der Verwendung in der Wehrmacht zurĂŒck-zustellen. 2.) Alle im Besitz der SS befindlichen Bekleidungs- und AusrĂŒstungsstĂŒcke, Kraftwagen, Waffen, Munition und sonstiges GerĂ€t unterliegen im Mob.Fall den gesetzlichen Bestimmungen, soweit sie nicht fĂŒr die Aufstellung der vorstehend unter IâIII aufgefĂŒhrten bewaffneten SS-Einheiten und StĂ€be erforderlich sind.â
â
Adolf Hitler: âStellung der bewaffneten SS-VerbĂ€nde und deren Abgrenzung gegenĂŒber Wehrmacht und Polizeiâ, Geheime Kommandosache, 17. August 1938, Abschnitt âAllgemeine SSâ.
Ferner standen die Angehörigen der Allgemeinen SS im Kriegsfall der Wehrmacht zur VerfĂŒgung und verrichteten ihren Wehrdienst in der Wehrmacht.cite-ref-adolfhitler-vt-20-1[20]
Aufgaben im Kriegsfall
Durch den Geheimerlass vom 17. August 1938 wurde auch die Einbeziehung der Allgemeinen SS im Kriegsfalle festgelegt. So hatten Angehörige der Allgemeinen SS bei Eintritt in die SS-VerfĂŒgungstruppe keinen Anspruch, dort in ihrem erreichten SS-Dienstgrad eingesetzt zu werden. SS-AnwĂ€rter der Allgemeinen SS wurden dort beispielsweise als SS-Standarten-AnwĂ€rter der SS-VT und SS-MĂ€nner und UnterfĂŒhrer als SS-MĂ€nner der SS-VT eingestellt, sofern diese bereits militĂ€rische Erfahrungen aufwiesen.
Einen wesentlichen Kernpunkt dieses Geheimerlasses Hitlers in Bezug auf die Allgemeine SS bildet der Punkt SS-TotenkopfverbĂ€nde. In einem Nachfolgeerlass vom 18. Mai 1939 bestimmte er, dass die VerstĂ€rkung der SS-TotenkopfverbĂ€nde durch Angehörige der Allgemeinen SS der JahrgĂ€nge 1906â1912 (âWeiĂe JahrgĂ€ngeâ) gebildet wurde. Diese JahrgĂ€nge, die nicht am Ersten Weltkrieg teilgenommen hatten, erhielt eine grobe militĂ€rische Ausbildung durch die Wehrmacht.
Dazu kamen Angehörige der Allgemeinen SS der JahrgĂ€nge 1901â1905, die in die verstĂ€rkten SS-Totenkopfstandarten eingezogen und militĂ€risch nicht ausgebildet wurden. Insgesamt sollte dieses 100.000 Mann der Allgemeinen SS betreffen. So sollten ĂŒber 45-jĂ€hrige SS-Mitglieder, die in den Stammabteilungen gefĂŒhrt wurden, nun als Wachmannschaften in den Konzentrationslagern eingesetzt werdencite-ref-adolf-hitler-tv-21-1[21]. Diese dienten dort als Ersatz fĂŒr die abgezogenen Mitglieder der TotenkopfverbĂ€nde, die nun ihre Wehrpflicht ableisten mussten oder die sich zur SS-Totenkopf-Division gemeldet hatten.
Verwendung und Aufgaben im Zweiten Weltkrieg, Germanische SS
Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hatte die Allgemeine SS ihren Zenit ĂŒberschritten. Alle nach 1939 aufgestellten FuĂstandarten, Reiterstandarten wurden schon seit 1936/37 nicht mehr aufgestellt, erreichten nicht einmal mehr den vorgeschriebenen Mindestpersonalbestand von 1000 SS-MĂ€nnern. Vor dem Krieg hatte dieser bei etwa 3000 Mann gelegen.
Die in Deutschland verbliebenen Angehörigen der Allgemeinen SS ĂŒbernahmen zunehmend ĂŒber Dienstverpflichtung Sicherungsaufgaben und wurden vereinzelt auch in den Katastrophenschutz eingebunden, wo sie âEinsatzstĂŒrme z.b.Vâ, zur besonderen Verwendung, bildeten.
Ab 1940 wurde ihr auch eine Gliederung zur Seite gestellt, die als Germanische SS bezeichnet wurde. Dieser Organisation, die der reichsdeutschen Allgemeinen SS nachempfunden war und sich stark an dieser orientierte, gehörten SS-Àhnliche Formationen in Belgien, den Niederlanden, DÀnemark und Norwegen an, deren Angehörige zumeist in der Waffen-SS dienten.
Bis Oktober 1944 waren die Angehörigen der Allgemeinen SS nicht aktiv in KriegseinsĂ€tze eingebunden. Dieses Ă€nderte sich mit der Aufstellung des Volkssturms: In ihren schwarzen Vorkriegsuniformen wurden nun Ă€ltere SS-Angehörige eingesetzt, die mit veralteten schwarzen Stahlhelmen des Modells M16 ausgestattet wurden. Ăber ihre Hakenkreuzarmbinde trugen sie zudem eine Armbinde mit der Aufschrift âDeutscher Volkssturmâ, der sie als offizielle Kombattanten aufseiten der Wehrmacht erscheinen lieĂen.
Kriegsende
Nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 7./8. Mai 1945 wurde die Allgemeine SS in den NĂŒrnberger Prozessen angeklagt. Es wurde festgestellt, dass sie Mutterorganisation der verbrecherischen Waffen-SS und des Sicherheitsdienstes des ReichsfĂŒhrers SS gewesen sei, aus deren Reihen die Offiziere der Gestapo und der SS-Einsatzgruppen gekommen seien. An der Front seien viele ihrer jĂŒngeren Angehörigen im Rahmen der Waffen-SS an zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligt gewesen und die Allgemeine SS hĂ€tte sich im Sommer 1934 auch nicht gescheut, den von Adolf Hitler angeordneten Mord an der SA-FĂŒhrung bedingungslos auszufĂŒhren.
Siehe auch
Literatur
âą Robin Lumsden: Allgemeine-SS, Ian Allan Publishing 1992, ISBN 978-0-7110-2905-7.
âą Robin Lumsden: Allgemeine-SS. Reihe âMen-at-Armsâ, Osprey Publishing 1993, ISBN 978-1-85532-358-2.
âą Andrew Mollo: Uniforms of the SS, Volume 1 âAllgemeine SS 1923â1945â, Windrow & Green, London 1997. ISBN 1-85915-048-9.
âą Mark C. Yerger: Allgemeine-SS. The Commands, Units and Leaders of the General SS. Schiffer Military History, Atglen 1997. ISBN 0-7643-0145-4.
âą Bastian Hein: Elite fĂŒr Volk und FĂŒhrer. Die Allgemeine SS und ihre Mitglieder 1925â1945, Oldenbourg Verlag, MĂŒnchen 2012. ISBN 978-3-486-70936-0.
⹠Christiane RothlÀnder: Die AnfÀnge der Wiener SS. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2012. ISBN 978-3-205-78468-5.
âą Berno Bahro: Der SS-Sport. Organisation â Funktion â Bedeutung. Schöningh, Paderborn, MĂŒnchen, Wien, ZĂŒrich 2013. ISBN 978-3-506-77288-6.
Zeitgenössische Literatur
âą Dienstaltersliste der Schutzstaffel der NSDAP, Stand vom 1. Oktober 1934, Hrsg. Personalabteilung des RF SS, Buchdruckerei Birkner, vorm. Hermes, MĂŒnchen 1934. Reprint: Priv. Institut fĂŒr Deutsche Phaleristik und MilitĂ€rgeschichte, OsnabrĂŒck 2016, ISBN 978-3-95868-056-2.
Weblinks
âą SS-Lehrgang auf der SA-ReichsfĂŒhrerschule in MĂŒnchen, um 1931.
âą SS-UnterfĂŒhrer der SS-Standarte I MĂŒnchen, um 1932
âą Die FĂŒhrer des ReichsfĂŒhrung der SS um 1932, MĂŒnchen Braunes Haus
âą Gesamtadressenwerk SS-Schutzstaffeln der NSDAP Beginn 1934. Nach ZLB Berlin
Einzelnachweise
cite-note-hein91-11. â Bastian Hein: Elite fĂŒr Volk und FĂŒhrer? Die Allgemeine SS und ihre Mitglieder 1925â1945. In: Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, Bd. 92, Oldenbourg, MĂŒnchen 2012, ISBN 978-3-486-70936-0, S. 91.
cite-note-22. â Bundesarchiv: Josef Henke: Persönlicher Stab des ReichsfĂŒhrer SS. Eintrag: Einteilung der SS in SS-VerfĂŒgungstruppe, Allgemeine SS und SS-WachverbĂ€nde (Befehl des ReichsfĂŒhrer SS), 14. Dezember 1934, Band 57, Bestand NS19/1934.
cite-note-33. â Dankwart Paul Zeller: Das Geheimnis der Partisanen-Tora. Eine theologische Kriminalgeschichte. Brendle, Albstadt 2008, ISBN 978-3-9812497-0-5, S. 116.
cite-note-fiala-44. â Josef Fiala: âĂsterreicherâ in den SS-Einsatzgruppen und SS-Brigaden. Die Tötungsaktionen in der Sowjetunion 1941â1942. Teil der Anne-Frank-Shoah-Bibliothek, Diplomica-Verlag, Hamburg 2010, ISBN 978-3-8428-5015-6, S. 19.
cite-note-55. â David A. Hackett (Hrsg.): Der Buchenwald-Report. 2. Auflage. Beck, MĂŒnchen 2010, ISBN 978-3-406-60356-3, S. 128.
cite-note-66. â Helmut Blazek: MĂ€nnerbĂŒnde: eine Geschichte von Faszination und Macht. Links-Verlag, Berlin 1999, S. 120.
cite-note-77. â Bundesarchiv: Josef Henke: Persönlicher Stab des ReichsfĂŒhrer SS. Eintrag: Organisatorische Zusammenfassung der drei SS-Teile (Allgemeine SS, SS-VerfĂŒgungstruppe, SS-TotenkopfverbĂ€nde) in den Dienststellen der SS-OberabschnittsfĂŒhrer, (Befehls-Entwurf zum 9. November 1936), Band 57, Bestand NS19/1458.
cite-note-88. â Zur Mitgliederentwicklung der Allgemeinen SS und der Waffen-SS vgl. die Tabelle 6 in: Michael GrĂŒttner: Das Dritte Reich. 1933â1939 (= Handbuch der deutschen Geschichte. Band 19). Klett-Cotta, Stuttgart 2014, S. 142.
cite-note-99. â Bastian Hein: Himmlers Orden. Das Auslese- und Beitrittsverfahren der Allgemeinen SS. In: Vierteljahrshefte fĂŒr Zeitgeschichte, de Gruyter, MĂŒnchen 2011, S. 277. ISSN 0042-5702
cite-note-1010. â Heinrich Himmler: Die Schutzstaffel als antibolschewistische Kampforganisation. 3. Auflage. Abschnitt âEhrengesetz des SS-Mannesâ, Zentralverlag der NSDAP, MĂŒnchen 1937, S. 26 ff. DNB.
cite-note-1111. â Organisationsbuch der NSDAP, 3. Auflage 1937, Kapitel âDie Schutzstaffeln der NSDAPâ, S. 428.
cite-note-1212. â Hans-Peter Klausch: TĂ€tergeschichten. Die SS-Kommandanten der frĂŒhen Konzentrationslager im Emsland, in: DIZ-Schriften; Band 13, Edition Temmen, Bremen 2005, S. 148.
cite-note-organisationsbuch435-1313. â Organisationsbuch der NSDAP, 3. Auflage 1937, Kapitel âDie Schutzstaffeln der NSDAPâ, S. 435.
cite-note-organisationsbuch430-1414. â Organisationsbuch der NSDAP, 3. Auflage 1937, Kapitel âDie Schutzstaffeln der NSDAPâ, S. 430.
cite-note-1515. â Organisationsbuch der NSDAP, 3. Auflage 1937, Kapitel âDie Schutzstaffeln der NSDAPâ, S. 431.
cite-note-mollo31-47-1616. â Andrew Mollo: Uniforms of the SS. Vol. I âAllgemeine-SS 1923â1945â, S. 31â47 (Abbildungen).
cite-note-hein192-1717. â Bastian Hein: Elite fĂŒr Volk und FĂŒhrer? S. 192.
cite-note-hein193-1818. â Bastian Hein: Elite fĂŒr Volk und FĂŒhrer? S. 193.
cite-note-1919. â Adolf Hitler: Stellung der bewaffneten SS-VerbĂ€nde und deren Abgrenzung gegenĂŒber Wehrmacht und Polizei. Geheime Kommandosache, 17. August 1938, Abschnitt âDie Entlassung aus der SS-VerfĂŒgungstruppeâ.
cite-note-adolfhitler-vt-2020. â Adolf Hitler: Stellung der bewaffneten SS-VerbĂ€nde und deren Abgrenzung gegenĂŒber Wehrmacht und Polizei. Geheime Kommandosache, 17. August 1938, Abschnitt âSS-VerfĂŒgungstruppeâ.
cite-note-adolf-hitler-tv-2121. â Adolf Hitler: Stellung der bewaffneten SS-VerbĂ€nde und deren Abgrenzung gegenĂŒber Wehrmacht und Polizei. Geheime Kommandosache, 17. August 1938, Abschnitt âSS-TotenkopfverbĂ€ndeâ.